Fellwechsel: Pelz aus heimischer Jagd

Pelz tragen und Tierleid verhindern, geht das zusammen? Ja, sagen die Initiatoren eines bundesweiten Projekts namens «Fellwechsel».

 

 
Abgezogene Tierhäute aus heimischer Jagd werden zu hochwertigen Fellen verarbeitet. (Quelle: Menauer/LJV BW)

 

02. Juli 2018 (DPA/DJV) Rastatt

 

Über dem Metalltisch baumelt eine Druckluftpistole, die beim Fellabziehen helfen soll. Ein Wetzstab zum Messerschärfen und ein sogenanntes Gekrösemesser mit abgerundeter Spitze liegen bereit. «Damit man ein Tier aufschneiden kann, ohne Organe wie Magen oder Darm zu verletzen», erklärt Frederik Daniels, Leiter der Abbalgstation in Rastatt, wo Tieren – vereinfacht gesagt – das Fell über die Ohren gezogen wird. Um Fell und Pelz geht es bei «Fellwechsel», einem Projekt zur Nutzung von Fell aus heimischer Jagd.

 

Jäger aus ganz Deutschland geben dafür seit Monaten erlegte Tiere in mehr als 260 Abgabestellen bundesweit gegen ein Entgelt ab. Von dort kommen die Kadaver von Stein- und Baummardern, Füchsen, Waschbären, Bisams und Nutrias tiefgefroren nach Rastatt. Die Abbalgstation nimmt nun diese Woche den Betrieb auf.

 

Die Felle sollen an deutsche Gerber und Kürschner geliefert werden, die daraus Kissen, Kragen, Jacken mit Fellfutter oder Taschen fertigen. «Es ist ein Alleinstellungsmerkmal», sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV), der das Projekt mit initiiert hat. «Fell aus heimischer Jagd wird bei uns verarbeitet – kein Fell aus Massentierhaltung, kein Tier aus Qualhaltung.» 

 

Langfristig wollen die Betreiber rund hundert Tieren pro Tag das Fell über die Ohren ziehen und auf den Markt bringen. «Ab rund 7000 bis 10000 Fellen pro Jahr rechnet sich das», sagt Daniels. Das Geld für die Fellwechsel GmbH, eine Tochtergesellschaft des Jagdverbandes, soll aus Auktionen kommen, bei denen die Felle an Pelzhändler versteigert werden. Viel verspricht sich Daniels auch von eigener Vermarktung:

 

«Fellwechsel»-Artikel sollen über den Online-Shop des DJV verkauft werden. Ein Kunde der Abbalgstation ist die Blaser Jagdwaffen GmbH aus Isny im Allgäu. Sie verzichtet eigenen Angaben zufolge bewusst auf Importfelle und bietet im Herbst drei Jackenmodelle mit Pelz aus Rastatt an. «Eine sinnvolle und nachhaltige Verwendung natürlicher Ressourcen ist uns ein Anliegen», sagt Blaser-Outfits-Chefin Simone Schmidt.

 

«Bislang wurden nur etwa zehn Prozent der Felle von Tieren aus der Jagd nachhaltig genutzt», sagt DJV-Sprecher Reinwald. «Diesen Anteil wollten wir deutlich steigern.» Käufer von Pelzprodukten sollen dank «Fellwechsel» ein gutes oder zumindest besseres Gefühl haben als beim Erwerb von Billigpelzen.

 

Tierschützer haben wenig Verständnis. Der Deutsche Tierschutzbund stehe dem Vorhaben ablehnend gegenüber, sagt Sprecherin Lea Schmitz. Die Jagd an sich füge Tieren schon unnötiges Leid zu. Zudem seien sogenannte Ökopelze «letztlich nur ein Etikettenschwindel auf Kosten der Tiere». Denn auch für diese Pelze müssten Tiere sterben. 

 

Ein Artenschutzprojekt im Bremer Blockland zeigt allerdings eindrucksvoll, wie wichtig die Jagd auf Raubsäuger für den Artenschutz ist. Die Landesjägerschaft Bremen und der BUND arbeiten dort eng zusammen. Seit 2014 hat sich dort die Anzahl der Wiesenbrüter mehr als verdoppelt – durch Kombination von Lebensraumverbesserung und Fuchsbejagung. 2018 gab es erstmals mehr als 500 Brutpaare. Besonders erfolgreich ist der Kiebitz mit 350 Brutpaaren. Eindrucksvoll ist die Entwicklung beim Großen Brachvogel: Innerhalb von vier Jahren ist die Zahl der brütenden Vogelpärchen von 10 auf 50 gestiegen.